Moped Ascona - Kismet Habibi

20.07.2021 13:12

Moped Ascona - Kismet Habibi 20.08.21 (CD LP) 18.8. (Digital)

Moped Ascona werden ihr Debütalbum "Kismet Habibi" am 20.08. bei uns rausbringen, niceee!

Man sollte sich ja in Zeiten wie diesen auf Hedonismus und Weltflucht beschränken, die Heimdiskothek ausgeschaltet lassen, das Fenster höchstens auf Kipp stellen und keine Musik mehr hören, die vor dem Jahre 1957 aufgenommen wurde.  Denn: die Gegenwart ist verkommen zum Kehrichthaufen der vollumfänglichen Lähmung von Freude und Kultur; alle machen nur noch etwas, um eben irgendetwas zu machen. Anstatt diesen guten und gut gemeinten Ratschlag zu beherzigen, haben sich in der Hansestadt H jedoch fünf im lauwarmen Jungbrunnen gebadete Trittbrettfahrer über einen längeren Zeitraum immer wieder und kontinuierlich zusammen gerauft, um eine LANGSPIELPLATTE einzuspielen. Jener nahezu vergessene Terminus liest sich wie ein Artefakt aus gutmütig verklärter Vergangenheit, doch was MOPED ASCONA unter vehement gesicherter Bierversorgung dieser Unzeit abgerungen haben, ist nicht weniger als ein perfekt arrangiertes ROCKALBUM aus einem Blechguss.

Mit dem Titel „Kismet Habibi“ gibt sich das Quintett gewohnt rätselhaft und latent ironiebeseelt, wobei die vielfältig eingefügten Meta-Ebenen jedoch keineswegs das Geschäft billiger und moderner Lustigkeit bedienen. Zu konstatieren ist vielmehr, dass Robin-Nickels Veithöfer ohne Übertreibung (und ohne Anbiederung meinerseits) ziemlich der einzige in dieser unserer Sprache dichtende dichte Dichter ist, der niveautechnisch auf demselben Spirituosenregalfach mit dem Kölner Knochenfabrikanten und Chefdenkerchefdenker Claus Lüer seinen lyrischen Rausch ausschläft. Auf ihren Instrumenten spielen MOPED ASCONA Rock, für den die Grundvokabeln Punk, Melancholie und, jawohl: Swing keinerlei Fremdwörter darstellen (vgl. hierzu: „Ich hab’ den Swing im Blut!“ aus „Ich hab den Swing im Blut“) - wohlan, derart erfrischend, so fernab vom stupiden Endverbraucherrock hat sich seit geraumer Zeit keine Band mehr geäußert.

Man höre eine Orgel, die ohne Fisimatenten eine melodiöse Sauce Bernaise anrührt sowie ein groovendes und dennoch ausgesprochen knusprig aufspielendes Broutcouvert mit Bass und Schlagzeug. All dies serviert mit unverdorbenem Glanz und unaufdringlichem Pathos - Große Gesten und Herzblut können hier durchaus mit einer gewissen Leichtfüßigkeit präsentiert werden. Das  Augenzwinkern ist niemals verlogen, stets ist die Schutzschicht der leisen Verzweiflung nur so weit durchlässig, wie es dem Gesamtwerk zugute kommt. Und natürlich ist „Kismet Habibi“ auch die punkmäßig nötige Klatsche, die wir momentan alle verdient haben. Die Schublade, die sich hierbei vollkommen angemessener Weise für MOPED ASCONA öffnet, ist mit der Beschriftung „Dosenbierpop“ versehen und beschreibt etwas vollkommen Eigenständiges  - und das kommt mit Vollgas auf dem Standstreifen an uns vorbei gerauscht. Dass die Mopedgang sich ihre Lorbeeren bereits in Bands wie Robinson Krause, Big Banders und Findus verdienten und sich schon seit Jahren die Taschen in Sachen Gute Rockmusik vollgemacht haben, ist dabei jedem einzelnen Hit anzuhören. Trenchcoat statt Lederjacke? Ein guter Slogan, doch ob er zu MOPED ASCONA passt, müssen Sie selbst entscheiden.
(Rasmus Engler)

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