Neonschwarz - Morgengrauen

Neonschwarz: „Morgengrauen‟

An welchen Stellen kippt unsere Gesellschaft? An welchen Grenzlinien driftet und shiftet unser Leben?
Wo verlaufen die Übergänge zwischen Schwarz und Weiß, Fun und Desaster, Hängematte und „Hoch
die Faust‟? Die Hamburger Hip-Hop-Crew Neonschwarz schaut auf ihrem vierten Album
„Morgengrauen‟ genau auf jene Punkte und Phasen, die unsere Zukunft definieren. Die entscheiden,
ob Hoffnungsschimmer oder dunkle Ahnung überwiegen. Komplexität ist Quing. Allerdings im
Schwizzy-Style. Statt die Moralkeule zu schwingen, wird lässig Punch um Punch platziert. Pointierte
Zeilen zu entspanntem Flow. Ob Klimawandel, Kapitalismuskritik oder Corona-Krise, ob Sexismus,
Rechtsruck oder Rap-Game: Zum zehnten Bandjubiläum ist die Themenpalette breiter und der Blick
schärfer. Doch neben Tiefgang und Haltung sind Humor und Leichtigkeit immer mit am Start. Befeuert
von ausgetüftelten Beats und ultra-geschmeidigen Melodien. Ein kollektiver Spirit, der außergewöhnlich
ist im deutschsprachigen Hip-Hop. Und den Marie Curry, Johnny Mauser und Captain Gips an den
Mikrofonen sowie DJ Spion Y auf „Morgengrauen‟ cool und kopfnickend behaupten: „Wir sind Euch zu
politisch, zu authentisch und zu weich / und außerdem viel zu real, viel zu fresh und supernice.‟

Im Opener „War was‟ schält sich Neonschwarz scratch- und wortgewandt aus der für 2020 selbst
auferlegten Bandpause heraus. Dass die Pandemie diesen Break intensivierte, fließt zwangsläufig in
die Texte ein. Denn auf einmal hieß es, nicht bloß die eigene Geschichte zu reflektieren – zwischen
Party und Protest, zwischen heftig jugendlichem Drive und sehr erwachsenen Rückenschmerzen.
Innerhalb kürzester Zeit rückten so ziemlich alle sozialen Probleme ganz neu unter die Lupe:
„Milliardäre mit Geld beglückt und Pfleger:innen mit Applaus‟. Eine Schieflage, die Neonschwarz
ebenso wenig unkommentiert lässt wie Schwurbeleien in der eigenen Hood: „In der Freiheit spielen
jetzt leider nur noch Nena oder Wendler‟. Denn Clubs und Festivals sind für Neonschwarz nicht bloß
Orte für furiosen Abriss und Boombast, sondern bestenfalls immer noch nazifreie Zonen. Ein Abfackel-
Track wie „Salto Mortale‟ feiert den „neonschwarzen Blockpartysound in der Stadt‟. Die Herzen
schlagen links und wie wild. „Die Leute sollen euphorisch aus unseren Konzerten gehen‟, sagt Johnny
Mauser. „Und wenn sie sich dann noch in ihrem politischen Handeln bestärkt fühlen – umso besser.‟

In „Einzelfall‟ rappen sie sich ihren Frust über das gezielte Wegsehen bei nationalsozialistischem Terror
von der Seele. „Der rechte Diskurs ist salonfähiger geworden. Und die Blasenbildung ist extremer – mit
rechten Gruppen, die ihre komplett eigenen Wahrheiten haben. Da gibt es dann Typen, die brauchst Du
in dieser Atmosphäre nur anzuzünden. Das ist brandgefährlich‟, sagt Marie Curry. Lag der Fokus
anfangs bei Neonschwarz noch darauf, starke Parolen gegen Neonazis und deren Aktionen zu liefern,
gilt es nun zudem, perfiden Talkshow-Reden ausgefuchst Paroli zu bieten. Doch die vier Freunde
verhandeln auf „Morgengrauen‟ nicht nur neonschwarze Dauerbrenner, sondern packen auch neue
Inhalte auf die Karte. Mit „Hitzefrei‟ katapultieren sie die Boomer-Nostalgie des „Summer of '69‟ um 100
Jahre in die Zukunft und entwerfen eine satirische Utopie, in der sich die Menschen auf Island bei 35
Grad dem maximum chill hingeben: „Der Pegel steigt / und der Wald wird immer heißer / Schatz, hol
den Campari aus dem Eisfach‟. Die Beats flirren. Und das Lachen bleibt im Halse stecken.

Dass jeder und jedem anders vor dem Morgen graut, zeigt „Wolkenkratzer‟. In bester Conscious-Rap-
Manier geht diese bitterböse Nummer mit Wumms in die Magengrube und mit Finesse ins Hirn. Die
MCs schlüpfen in die Perspektive eines leistungsoptimierten Topverdieners, der von seiner ganz
eigenen Welt zwischen Konkurrenzdruck und Profitmaximierung gestresst ist. Eine Jugend, die gegen
Ausbeutung von Mensch und Natur demonstriert, ist da nur lästig. Neonschwarz seziert messerscharf,
ist aber keine Band, die sich moralinsauer in Rechthaberei suhlt. Vielmehr beziehen sie sich mit ein in
all die Dilemmas, die unseren westlichen Lebensstil prägen. „Gib mir mal bitte den Lifestyle, den ich in
meinen Texten propagiere / Hängematte, Nichtstun, die neonschwarze Lebenslüge‟, heißt es in
„Gimma‟. „Wir haben viele Songs, in denen wir den Arbeitswahn kritisieren. Aber auch wir müssen Geld
verdienen, haben Familie, sind für dies das verantwortlich‟, so Johnny Mauser. „Es ist nicht cool, nur zu
funktionieren, aber ich kann auch keinen 23-jährigen Typen verkörpern, der nur an der Elbe abhängt‟.

Hamburg ist und bleibt die kreative Brutstätte der Band. Für die elf Songs auf „Morgengrauen“ haben
Marie Curry, Johnny Mauser, Captain Gips und Spion Y zum Chaos Compressor Club zurückgefunden,
mit dessen Hilfe zehn Jahre zuvor bereits ihr Erstlingswerk, die EP „Unterm Asphalt der Strand“,
entstanden ist. Das Studio im Schanzenviertel wurde über Wochen zur Heimat, um Beats zu basteln
und an Harmonien zu feilen. „Das war ein sehr schöner Prozess, da wir nicht kompakt an wenigen
Tagen produziert haben, sondern immer wieder für einige Stunden ins Studio gehen konnten‟, erzählt
Marie Curry. Ein ausgeruhter Ansatz, dank dem die Songs nun aufgeladen sind mit musikalischen und
textlichen Details. Besonders spannend und schillernd kommt auf dem Album zum Ausdruck, dass bei
Neonschwarz vier starke Charaktere gleichberechtigt ihre Sicht der Dinge an den Start bringen. Mal
poppiger, mal rough. Mal persönlich, mal politisch. Aber immer auf der Suche, Augen auf und im Flow.

Sorry not sorry für all jene, die einfache Erklärungen in einer vertrackten Zeit wollen: Die neonschwarze
Realitätscheck ist vielschichtiger. Und bezieht doch eindeutig Stellung, wenn es sein muss. Erst recht
innerhalb der eigenen Szene. „Nix‟ positioniert sich klar gegen Sexismus, Härte und Rechtsdrift im
Hip-Hop. „Ja wir waren schon gegen all die Scheiße / als das noch nicht in war.‟ Zeilen wie diese
künden davon, wie selbst feministisches Engagement gewissen Modezyklen unterliegt. „Deutschrap-
MeToo hat viel bewegt. Vor zehn Jahren mussten sich Rapper noch nicht entschuldigen für
übergriffiges Verhalten‟, erklärt Marie Curry. „Andererseits ist es frustrierend, dass die Täter oftmals
keine wirklich spürbaren Konsequenzen zu befürchten haben. Zudem wird Feminismus gerne
kapitalisiert, solange er soft und sexy daherkommt.‟

Unsere Gegenwart, sie rumort und rotiert heftig in den Songs auf „Morgengrauen‟. Wer will sich da
nicht ab und an ausklinken und völlig loslösen. In „Alles groß‟, ihrem allerersten Solotrack, geleitet uns
Marie Curry in traumversunkene Beobachtungen. Der Sound ist ein sachtes Schweben, der Gesang ein
großes Durchatmen und der Text ein Plädoyer für mehr Gelassenheit: „Nur weil sie sich heut nicht
weiterdreht / wird die Welt schon nicht untergehen‟. Alles andere wird der nächste Morgen zeigen.

Das Album erscheint am 25.02.2022 Als Bundle/CD/Vinyl/Digital
Vorbestellen kannst Du es hier

Audiolith International GmbH
2022-01-01 13:12:00

01.01.2022

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