Pöbel MC - Bildungsbürgerprolls

17.02.2020 17:00

Pöbel MC - Bildungsbürgerprolls

Wenn der Pöbel sich artikuliert, wird’s meistens spannend, denn guter Rap gedeiht bekanntlich
im Dreck. Und wenn der wütende Mob dann auch noch aus „Bildungsbürgerprolls“ besteht, ist
Land unter. Beste Voraussetzungen für Pöbel MC also, mit dem am 20. März 2020
erscheinenden, gleichnamigen Album für Aufsehen zu sorgen. Denn der gebürtige Rostocker
und Wahlberliner liebt es, die gerade fertig gelesenen Bücher in einen Sack zu packen und
euch auf den Schädel zu donnern. Dass dieser Spagat zwischen den Welten mehr als nur
funktionieren kann, beweist er mit dieser Platte nur zu gut. Direkt mit der ersten Doppelsingle,
dem Titeltrack „Bildungsbürgerprolls“ und dem zweiten Song des Albums „Patchworkwendekids“
zeigt der Pöbel, wo es thematisch lang geht: „Nein ich bin nicht Ghetto, ja ich hab
studiert/Unter anderem wie man dir die Fresse poliert“.
Auf 12 Tracks führt uns der Rapper durch die eigene, eloquente Gedankenwelt. Dabei sprintet
er ohne Atemprobleme durch die Battle-Rap-Landschaften und hält nur an, um die Hörer*innen
kurz Luft holen zu lassen. Etwa wenn er auf „Kalkül“ den aktuellen Status quo reflektiert, der
verdächtig nah am Weltuntergangs-Abgrund entlang balanciert und wütend feststellt: „Nein wir
reichen keine Hände mehr/Mit jedem kleinen Finger rückt das Ende näher“. Oder auf „Dünnes
Eis“, auf dem der MC beinahe lethargisch und dennoch einfühlsam auf selbigem tanzt, immer
im Bewusstsein, dass der nächste Schritt der letzte sein kann. Und wenn das alles bald vorbei
ist mit der Welt, dann kann man auch saufen. Und genau deshalb geht es nach den Ausflügen
in verhältnismäßig ruhigere Gefilde im gewohnten Eiltempo weiter.
Egal, ob er mit Waving The Guns-Rapper Milli Dance auf „Keine Rolle“ erkennt, dass es sich
zusammen besser prügeln lässt oder sich auf „Dopamindealer“ wieder auf die Selbstliebe und
den damit verbundenen Narzissmus fokussiert - es ballert. Das Soundbild schwenkt dabei
immer wieder zwischen klassischen 90bpm-Beats und modernen Trap-Anleihen, holt sich hier
und da eine Prise Funk dazu oder brilliert, wenn nostalgische Kopfnicker in ein neues Gewand
gepackt werden. Dass Pöbel MC Battle-Rap verstanden und durchgespielt hat, ist eh klar. Ob
er auf „Lowleveldrip“, dem schönsten Kapitalismus-Song seit langem, rappt „Mein Handy zeigt
die Zeit, warum trägst du Trottel Uhr?“ oder auf „Alkmukke“ feststellt „Du hast keinen Sex, dein
Atem riecht nach Deutschlandfahne“ - Sinn macht das immer, selbst wenn die Sinnlosigkeit im
Vordergrund steht. Dabei steht Pöbel schon immer für kompromisslose Texte, die es nicht nötig
haben mit angeblichen Tabus zu schocken, die in Wahrheit schon immer Teil der
Mehrheitsgesellschaft waren. Denn: „Das ist kein Macker-Scheiß, nein es ballert halt nur gut“.
Pöbel MC kommt in den Club und ist „Schlau ohne Grund“. Er fragt sich „Wieso spricht die
Tagesschau nicht ausschließlich über mich?“ obwohl er doch ein „Kommunikationsgenie“ ist.
Und es sind keine leeren Versprechen, wenn er auf „JBG Remix 2020“ behauptet: „Jeder Beat/
Genozid“. Denn wie schon der alte Schiller und seine Räuber wussten: Der Pöbel hört nie auf
Pöbel zu sein, und wenn Sonne und Mond sich wandeln. Prost!
(von Juri Sternburg)

Bei uns im Shop ist das Album als CD und LP erhältlich, auch als exklusives Bundle - nur so lange der Vorrat reicht!

Pöbel MC - Pöbler Cum Lauder Tour 2020
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21.02.2020 Hamburg - Uebel&Gefährlich
02.04.2020 Frankfurt - Zoom
03.04.2020 Saarbrücken - Studio
30.04.2020 Münster - Gleis22
08.04.2020 Leipzig - Conne Island
09.04.2020 Düsseldorf - zakk
16.04.2020 München - Rote Sonne
17.04.2020 Wien (AT) - Arena
18.04.2020 Augsburg - Kantine
23.04.2020 Dresden - Chemiefabrik
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